Reiseberichte von Andreas Weniger (www.outbackskippy.de)

Reisebericht Nr. 23 vom 19.07.2005

Kiwis die 2te - SHIT HAPPENS!

Der Morgen unseres 2. Aufbruchs aus Christchurch war ein recht frostiger, überall war Raureif und die Autoscheiben waren zugefroren. Mit altem Guide Andy und einigen neuen Gesichtern ging es entlang der Küste nach Norden, unser Ziel war der Fischerort Kaikoura. Das Wetter war traumhaft schön fast jeder von uns hatte eine Whalewatching-Tour gebucht (Buckel- und Pottwalen per Boot aus nächster Nähe begegnen), die am frühen Nachmittag stattfinden sollte. Bevor wir jedoch an unseren Hostels abgesetzt wurden, ging es zu einem Lookout an der Spitze dieser Halbinsel, wo man einen herrlichen Ausblick auf schneebedeckte Berge direkt neben dem Meer hatte.

Eigentlich wollte Andy uns zur Wal-Tour vor dem Hostel abholen. Zehn Minuten später kam er mit der Nachricht, dass die Tour aufgrund eines aufkommenden Wetterumschwungs abgesagt wurde. Als Entschädigung brachte er uns mit dem Bus zu einem Platz etwas außerhalb, wo man einigen Seehunden aus nächster Nahe beim faulenzen zusehen oder auf einen weiteren Lookout klettern konnte. Inzwischen war es wirklich recht windig geworden und eine dunkle Wolke nach der anderen schwappte über die Berge.
So gegen 2 Uhr holte Andy uns wieder ab und brachte uns in die Stadtmitte. Da Kaikoura in Neuseeland weltbekannt (ein allzu oft vorkommender dummer Werbespruch) für seine Crayfish (eine Art Hummer) ist, teilten wir uns in einem Nobel-Seafoodrestaurant zu fünft so ein halbes Viech (ein Ganzes hätte 80 Dollar gekostet!!!). Schmeckte ganz interessant, aber von einem Ganzen wäre man auch nicht satt geworden.
Nach diesem Luxus bummelte jeder noch ein bisschen auf eigene Faust umher und abends trafen wir uns in einem anderen Hostel zu einem lecker, billigen Thai-Dinner. Wäre liebend gern noch mit den anderen hinterher ausgegangen, wollte mit meiner abklingenden Erkältung jedoch kein Risiko eingehen und machte mich auf den Heimweg.

Der heutige Mittwoch (13.7.) war mein letzter Tag auf Neuseelands Südinsel. Wir wurden um 9 Uhr abgeholt und nach dem Besuch einer Seehundkinderstube unter einem Wasserfall und einem Frühstücksstop brachte Andy uns um 11.30 Uhr nach Picton zur Fähre, von wo unser Weg zur Nordinsel führte.
Wie am Vorabend hieß es auch hier wieder Abschied nehmen von Reisegefährten und Busfahrer. Es dauerte jedoch nicht lange und Stu und Chris liefen mir wieder mal über den Weg. Man hatte sich wieder einiges zu erzählen und um 12.30 Uhr begann unsere 3stuendige Überfahrt. Das Wetter war mal wieder traumhaft und man konnte viele schöne Fotos der fjordähnlichen Landschaft machen, die wir anfangs durchquerten.

Pünktlich um 16.30 Uhr kamen wir dann in Neuseelands Hauptstadt Wellington an. Nachdem ich mich abermals von den beiden Engländern verabschiedet hatte, ging’s mit dem Linienbus in die Stadtmitte wo ich im YHA Wellington eincheckte. Den Abend verbrachte ich mit Berichtschreiben, dem Aufsuchen von Fressbarem und dem Umherbummeln in Wellingtons Fußgängerzonen. Mit gerade mal 200.000 Einwohnern war es zwar eine recht kleine Hauptstadt, aber recht schön und gemütlich und ich hätte gerne etwas mehr Zeit hier verbracht aber mein Zeitplan war sehr eng und morgens brachen wir bereits wieder auf.
Wie fast jeden Morgen wurden wir auch heute wieder um 8.30 Uhr abgeholt, diesmal allerdings mit neuem Bus und Fahrer. Er war ein echter Maori (Ureinwohner) und er hatte einen für uns unaussprechbaren Namen, daher durften wir ihn Boof nennen. Anders als Andy kam dieser gar nicht mehr vom Mikrofon weg und neben Maorigeschichten hielt er uns mit Gesangseinlagen bei Laune (die einem mehr, die anderen weniger).
Bei strömendem Regen erreichten wir am Mt. Bruce Wildlife Centre unser erstes Ziel und hofften, hier Neuseelands Nationalvogel, den Kiwi, zu Gesicht bekommen. Leider konnte man diesen nachtaktiven Vogel im abgedunkelten Haus nirgendwo entdecken und etwas enttäuscht machten wir uns auf die Weiterreise. Es folgten ein paar weitere regenreiche Fahrstunden durch Neuseelands grünhügelige Nordinsel und am Nachmittag erreichten wir Napier an der Ostküste, wo ich im Anschluss etwas spazieren ging und etwas durch die Ramschläden dieser Art- Deco- Stadt bummelte. Abends trafen wir uns dann in einem nahen Hotel zum günstigen Dinner, gefolgt von einem Quizabend. Wir wurden zwar nur vierter von 5 Gruppen, man hatte jedoch einen Riesenspaß dabei.

Wie an den Vortagen war auch dieser wettertechnisch recht durchwachsen: Sonne und Regenschauer wechselten sich unter teils heftigem Wind ab, die Folge waren einige schöne Regenbogen. Nachdem wir in Taupo ein paar Mitfahrer eingesammelt hatten, ging der Weg nach Rotorura weiter, ein recht beliebter Touristenort, wo auch ich gerne etwas mehr als 3 Stunden verbracht hätte. Wir lieferten einige in der Stadtmitte bei einem Maoridorf ab, der Rest von uns machte sich zu einer kleinen Rennstrecke auf, wo man in strömendem Regen sein Fahrgeschick unter Beweis stellen konnte. Da mir 30 Dollar für 12 Runden etwas überteuert vorkamen, setzte ich mich hinter kein Steuer, da Boof jedoch noch einen Mitfahrer suchte, ließ ich mich dann als Copilot doch noch auf den feucht fröhlichen Fahrspaß ein. Im Anschluss folgte Zorbing, eine Extremsportart wie Skydive oder Bungy, die ich unbedingt ausprobieren wollte. Dabei wurde man mit einer Ladung warmem Wasser in eine riesige luftgepolsterte Gummikugel gesteckt und rollte im Zickzack einen Abhang herunter. War ein wirklich geiler Spass, man wirbelte patschnass in dem riesigen Ding herum und die abendliche Dusche hatte man sich auch gespart ;o).
Nachdem wir die anderen in Rotorua wieder abgeholt hatten (hier hat es überall heiße Schlammquellen und es stinkt ziemlich heftig nach faulen Eiern) ging es weiter nach Mt. Manganui, wo Lyndsey und ich abends uns eine Steinofenpizza gönnten, anschließend hing man noch etwas vor der Glotze herum.
Nach einer recht unruhigen Nacht (wir hatten einen fürchterlichen Schnarcher im Zimmer) stand mir am heutigen Samstag der bisher schwärzeste Tag meiner gesamten Reise bevor: Mit Entsetzen stellte ich beim Packen fest, dass meine Gürteltasche mit Reisepass und Flugtickets fehlten! Es folgte ein erfolgloses Durchsuchen des Gepäcks und meines Busplatzes und die Fahrt ging weiter nach Auckland. Boof erzählte uns unterwegs noch einiges und die Landschaft war auch recht eindrucksvoll, aber ich konnte in meinem Schock kein einziges Bild machen und hing einfach nur wie gelähmt da. Wir riefen bei den Hostels der letzten Tage an, erhielten jedoch keine positive Antwort. Daher bin ich mir fast sicher, dass das Zeug mir wohl in der Menschenmasse beim ein- oder aussteigen an der Fähre geklaut worden ist. Gegen halb 2 kamen wir dann in Neuseelands größter Stadt an und wurden an unseren Hostels abgesetzt. Ich durchsuchte noch mal alles und tätigte etliche Telefonate. Das deutsche Konsulat hier hatte am Wochenende geschlossen und in der Botschaft erreichte ich auch niemanden. Da sah es bei Quantas schon besser aus: da ich noch meine Buchungsnummer hatte, wäre ein Ersatz meiner Tickets kein Problem, aufgrund meines Passverlustes müsse ich jedoch wahrscheinlich meine Reiseroute nochmals ändern. Bis auf eine Meldung bei der Polizei konnte ich also am Wochenende nichts mehr tun und musste mich in mein Schicksal fügen. Zu meinem Trost waren noch Boof und Lyndsey da und mit der Hilfe der Beiden konnte ich den Frust in einem willenlosen Besäufnis abends ertränken.
Bis auf einen üblen Hangover (nie mehr Tequila!!!) ging es mir moralisch heute schon viel besser und in einem morgendlichen Ausnüchterungsspaziergang erkundete ich Aucklands City ein wenig, bummelte über den Victoria Park Market und kaufte etwas zu Essen ein.
Trotz meiner Misere gefällt mir diese Stadt jedoch recht gut, wenn nur dieses momentane Aprilwetter nicht wäre (als wir abends zuvor in der Kneipe sassen, tobte draussen ein fuerchterliches Gewitter). Leicht gerädert verbrachte ich den Rest des Tages mit Faulenzen im Hostel oder vor dem Internet, um die Heimat über meinen Vorfall aufzuklären.
Mein geplanter Abreisetag (18.7.) war dann Gott sei Dank einer, der Nägel mit Köpfen hervorbrachte. Nach einem ersten Besuch im Konsulat stellte sich heraus, dass ich mit einem Ersatz- oder Notpass nicht mehr über die USA reisen könne, also eilte ich ins nächste Ouantasbüro und buchte meine Weltumrundung kostenlos in einen Flug um, der mich über Sydney und Singapur am Donnerstagmorgen wieder nach Hause bringen sollte.
Ein paar schnelle Passbilder wurden gemacht und mir wurde im Konsulat ein Reiseausweis als Passersatz erstellt. So schnell kann’s gehen und in ein paar Tagen steh ich wieder auf deutschem Boden.
Ist einerseits etwas blöd, dass meine Amerikareise damit ins Wasser fällt, aber andererseits bin ich sowieso nur noch auf meine Heimat fixiert und hätte diesen Abstecher nicht so genießen können.
Nachmittags lernte ich wieder mal ein paar deutsche Kollegen auf meinem Zimmer kennen und zusammen gingen wir auf Aucklands Skytower (das höchste Gebäude der Südhalbkugel) und genossen die Aussicht auf die Metropole, gebaut auf und umgeben von erloschenen Vulkankegeln.

An meinem letzten kompletten Tag in Neuseeland (heute, 19.7.) bummelte ich noch ein wenig durch Aucklands Souvenirläden (kaufte nichts, war nur Ramsch) und sitze gerade im Internetcafe über den letzten Zeilen diesen Berichts.
Werde mit den anderen wohl noch einen gemütlichen Abend verbringen, ehe morgen Vormittag nun endlich meine Heimreise beginnt.
Habe dabei noch mal eine Stunde Aufenthalt in Sydney (juhu, wieder in Australien ;o) und nach diesem Touchdown geht’s endlich heim.

Trotz dieses etwas unglücklichen Vorfalls hat mir mein neuseeländischer Abstecher trotz Schallreisegeschwindigkeit sehr gut gefallen, werde das nächste Mal jedoch lieber im Sommer vorbeischauen, da sich nun fast meine ganze Australierbräune verabschiedet hat.

Ich denke, dass nach meiner “deutschen Wiedergeburt” am Donnerstag, 5.40 Uhr noch ein Bericht über Heimflug und Ankunft folgen wird. Möchte an dieser Stelle jedoch bei allen Lesern dieser Berichte für ihre Treue bedanken und mich so weit begleitet zu haben.

Nach 50 Wochen in der Fremde ist mein Reisefieber bis auf weiteres ausgebrannt und ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich nun aufs Wiedersehen mit euch freue, also bis gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz bald!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Skippy

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