Reiseberichte von Andreas Weniger (www.outbackskippy.de)
Reisebericht Nr. 15 vom 24.04.2005
Von bunten Felsen, weißen Bäumen und roter Erde
Bevor ich nun wieder mit Erlebtem losschieße, zunächst mal ein kleines Gedankenexperiment: Man nehme unser schönes Nachbar- Bundesland Rheinland- Pfalz mit seinen rund 2 Millionen Einwohnern und vergrößert es ein bisschen, sagen wir 400fach, setzt 1,5 Mio. Einwohner in seine Hauptstadt und verteilt den Rest über diese Riesenfläche. Klingt ziemlich utopisch, aber so ein Land gibt es wirklich! Sein Name: Western Australia.
Nach meiner 3tägigen Zugfahrt verbrachte ich noch 10 weitere Tage im schönen Perth. Die meiste Zeit war ich dabei mir Ray (Nordirland) und Carolina (Schweden) unterwegs, beispielsweise an den Stränden von Cottesloe und Scarborough (Sonnenbrand!), im Western Australia Museum und der Art Gallery (freier Eintritt und kulturell meistens wertvoll). Am darauf folgenden Ostersonntag wollte ich mit Ray dann einen Gottesdienst besuchen, wo ein Priester aus Rays Nachbarstadt gerade aushalf, aber eine falsche Adresse, reichlich Verwirrung und einsetzender Regen führten dann doch letztendlich zum Scheitern dieser Mission. Na ja, immerhin war ein Wille da.
Irgendwie war das Wetter während meiner letzten Tage in Perth generell recht ungemütlich: 15 Grad und Dauerregen ließen den kommenden Herbst erahnen und ich konnte kaum erwarten, endlich in den warmen Norden abzuhauen. Bevor ich dieser City, die trotzdem bereits eine meiner Liebsten geworden ist, den Rücken kehrte, unternahm ich am letzten Tag im März eine Tagestour 350km ins Landesinnere zum Wave Rock, den ich vor meiner Weiterreise unbedingt noch sehen wollte. Diese etwa 2 Milliarden Jahre alte Felsformation wurde im Lauf der Zeit von Wind und Wasser zu einem Gebilde erodiert, das an eine riesige versteinerte Welle erinnert. Auf dieser Tour, die uns auch an einem Hundefriedhof vorbeiführte (habe Lassies Grab gesehen!!!), lernte ich wiederum mal einen Deutschen aus meiner Gegend kennen. Norbert wuchs in Lohrbach auf, das etwa 40km von meinem schönen Gerichtstetten entfernt liegt, im Aussie-Maßstab also ein Nachbar. Trotz wolkenverhangenen Himmel konnten wir ein paar schöne Schnappschüsse dieses Naturwunders machen, ehe man bei strömenden Regen wieder nach Perth gebracht wurde. Aber dann war es mal wieder endlich soweit: Nix wie raus hier!
Freitag, 1.April: Ein neuer Monat und eine neue Tour begannen. Dieser Trip von Planet Perth sollte mich in 9 Tagen ins 2400km entfernte Broome bringen und mich dabei zusammen mit anderen Backpackern mit den Wundern des Westens bekannt machen. Zwar war das Männlein- Weiblein Verhältnis wieder einmal recht unausgeglichen (4 Boys, 14 Mädels), aber mit diesen Girls konnte man Gott sei Dank einiges mehr anfangen als mit den Schluchtensch…äh, Schweizerinnen von Kangaroo Island. Der Autor distanziert sich hier von näheren Ausschweifungen, (wir sind hier ja nicht bei Big Brother) nur soviel: wir hatten ne echt starke Zeit! Bei strömenden Regen verließen wir also Perth und bei zeitweiligen Schauern erreichten wir nach 240 km den Pinnacle Desert Nationalpark Diese Pinnacles sind wenige Zentimeter bis mehrere Meter hohe Felsenkegel die aus einer ockergelben Sandlandschaft hervorragen und mit umherirrenden Emus und aprilwetterhaften Himmel ein herrliches Bild boten. Ein paar Stunden später erreichten wir Geraldton, wo man sich auf den rieseigen Dünen im Sandboarding probierte. Aufgrund des nassen Sandes klappte es nicht ganz do doll, war aber trotzdem ein Riesenspaß. Anschließend wurde im Bottleshop noch etwas für den Abend besorgt und nach weiteren 200 km Fahrt hatten wir in Kalbarri im “Rock Lobster” unser Tagesziel erreicht. Nach einem leckeren BBQ machten sich ein paar von uns zum lokalen Pub auf um sich bei ein paar Bier noch etwas besser kennen zu lernen. Da wir am Vortag durch das schlechte Wetter etwas verzögert wurden und es bei unserer Ankunft schon dunkel war, fuhren wir heute Morgen ein paar Kilometer zurück, wo ein paar eindrucksvolle Schluchten an der Küste auf uns warteten. Nach ein paar schnellen Fotos ging es weiter in den Kalbarri National Park, wo ungeteerte Wege zu atemberaubenden Felsentälern führte. Hier unternahmen wir einen mehrstündigen Bushwalk in die so genannte Z-Gorge, eine interessante Schlucht, die an die Form eines Z erinnert, daher der Name. Unterwegs trafen wie eine andere Gruppe, die sich gerade an der Felswand abseilte. Nach dieser Tour und einem stärkenden Lunch machten wir uns mit dem Bus zum Nature’s window auf, einem natürlichen Fenster in einem Felsen, umgeben von einer traumhaft schönen Schluchtenlandschaft, die wiederum viele Kameras zum Leben erweckte. So wurde auch ein Gruppenbild geschossen, ehe es weiter Richtung Shark Bay ging. Diese beiden Halbinseln lagen noch etwa 200km nördlich von hier und stellen sogleich den westlichsten Punkt Australiens dar. Bevor wir jedoch unsere Unterkunft in Monkey Mia erreichten, machten wir noch einen kurzen Abstecher zum Shells Beach. Der Name verriet schon, dass es mit Muscheln zu tun haben musste, aber einen Strand, der statt aus Sand aus Abermilliarden von schneeweißen erbsengroßen Muschelschalen bestand, hatte hier wirklich niemand erwartet. Es war mal wieder ein typisches Merkmal dieser Landschaften, die durch ihre weltweite Einzigartigkeit und Schönheit überzeugen. Als wir in Monkey Mia ankamen, war es schon dunkel und nach der Zimmerverteilung und dem Abendessen nahmen einige von uns an einer Astro- Tour teil, wo uns ein Arbeiter über Sternbilder und andere Highlights des südlichen Himmels aufklärte. Zugegeben, er brachte mir auch nichts Neues bei, aber trotzdem staunte ich mit dem anderen über diese atemberaubende Sternenpracht über uns, die man über Mitteleuropa wohl vergeblich suchen würde. Ein besonderes Schmankerl war für mich, nach 8 langen Monaten mal wieder den großen Wagen zu sehen, umgedreht knapp über dem Meer. Leider gab es nicht nur schönes zu berichten: heute Nacht hat die Welt ihren Pabst verloren.
Trotz dieser keineswegs überraschenden Neuigkeit hatten wir hier einen absoluten starken Tag, der mit der Fütterung der Delfine am Strand begann. Man durfte diese wunderbaren Geschöpfe zwar nicht streicheln, aber allein die Nähe von 1-2 Metern im flachen Wasser war schon ein Erlebnis. Anschließend machte ich mit ein paar anderen eine anderthalb stündige Tour auf einem Katamaran, um noch etwas mehr von dem marinen Lebewesen zu sehen. Leider konnte man außer ein paar weiteren Delfinen nichts Großartiges sehen, aber trotzdem war e seine herrlich relaxte Tour bei der man ganz die Seele baumeln lassen konnte, während einem der salzig- warme Wind um die Ohren wehte. Anschließend ging’s wieder Richtung Festland, wo man bei einem Lookout am Eagles Point einen wahnsinnigen Ausblick auf Land und Meer genoss und dabei im flachen Wasser einen Hai aus sicherer Entfernung beobachten konnte. Einen weiteren Halt machten wir am Hamelin Pool, wo man sich nach dem Lunch zu den sog. Stromatolithen aufmachte. Diese steinförmigen Kolonien von Bakterien im Salzwasser waren vor 3,5 Milliarden Jahren überall auf der Erde zu finden und bliesen durch ihre Arbeit damals den ganzen Sauerstoff in die Atmosphäre, ohne den sich Lebewesen wie wir nie entwickelt hätten, tiefer Respekt ist also angebracht! Dieser Ort war auch einer meiner Hauptgründe, durch Westaustralien zu reisen. Als ich Stef aus Tasmanien erzählte, dass ich mich schon seit Jahren auf dieses Rendezvous mit lebenden Fossilien freute, erklärte sie mich kurzerhand für verrückt: ”Wie kann man sich nur so lange auf den Anblick dieser Scheißhaufen im Wasser freuen?!?” Kein Respekt vor Wissenschaft und Evolution, traurig, traurig.
Gegen Abend erreichten wir dann Coral bay, wo wir nach Dinner und Erfrischen im Pool die Nacht im Ningaloo Backpackers verbrachten. Da tags zuvor den südlichen Wendekreis (Tropic of Capricorn, siehe Bericht Rockhampton) überschritten, waren wir wieder im tropischen Gürtel und hier war das Meer wieder warm genug, um Korallen zu beherbergen. Daher beginnt hier das Ningaloo Reef, quasi der kleine Bruder des Great Barrier Reefs im Osten. Morgens unternahmen wir eine Tour mit dem Glasbottom-Boot, verbunden mit einstündigem Schnorcheln durch die farbenreiche Unterwasserwelt. Nach dem Lunch (wie jeden Tag Sandwichs) hatten wir noch ein paar Stunden Freizeit, die mit einkaufen, Strandgammeln oder Volleyballspielen im Pool verbracht wurden. Anschließend fuhren wir wieder weiter bis nach Exmouth, wo unser Nachtquartier aus einem Caravanpark bestand. Zuvor machten wir jedoch noch einen Abstecher in die Shothole-Gorge im Cape Range National Park, einem Tal inmitten der Wildnis, die aus einer kleinen Bergregion mit bunten Felsen und Spinifex (australisches Steppengras, sehr spitz und unangenehm) bestand. Hier kletterten wir etwas an einem Grat herum, um einen besseren Ausblick zu bekommen. Obwohl diese karge Region bei den meisten Mitfahrern nicht gerade auf Begeisterung stieß, war ich von dieser Gegend schon etwas angetan, da sie das unwirtliche und menschenleere Australien doch ganz gut verkörpert.
Mittlerweile haben wir den 5. April und der heutige Dienstag stand ganz im Rahmen des Cape Range, einer Halbinsel im Nordwesten entlang des Ningaloo Reefs. Während einige von uns eine Divetour (Tauchtour) machten, chauffierte uns Spencer (unser Tourguide und Fahrer) zur Spitze des Capes, wo man neben einem Leuchtturm einen herrlichen Ausblick auf Land und Meer genoss. Es folgte ein Besuch des Visitor Centre, wo man sich etwas genauer über das Leben in Riff und Nationalpark informieren konnte. Der Nachmittag wurde mit Schwimmen oder Schnorcheln in der Turqoise Bay verbracht, was sich aufgrund der starken Strömung jedoch als Energie raubender Kraftakt erwies. Trotzdem war es ein traumhafter Strand und besonders die Fische waren einiges farbenprächtiger als am Vortag, man konnte sogar Stingrays (Stechrochen) bewundern. Nachdem wir uns mit unseren Tauchern wieder am Caravanpark getroffen hatten, ging es weiter zur Giralia Station, einer riesigen Schaffarm, wo wir campten. Da es jedoch recht warm und klar war, entschied ich mich, die Nacht unter freiem Sternenhimmel zu verbringen. Da wir heute (Mittwoch) wieder eine ziemlich weite Strecke vor uns hatten, standen wir sehr früh auf und dabei konnte ich wohl eines der schönsten Bilder einer Morgendämmerung überhaupt machen, mit Mondsichel und Steppenbäumen.
Pünktlich zur Mittagszeit erreichten wir Tom Price, wo man sich stärkte und etwas einkaufen ging. Hier stellte sich auch heraus, dass ich einen neuen Job für ein paar Wochen im Herzen der Kimberleys haben werde, mehr dazu im nächsten Bericht.
Gegen 2 Uhr ging es weiter in den Karijini National Park, dessen Landschaft nicht selten als eine der schönsten in Australien überhaupt angepriesen wird. Hier verbrachten wir 2 Nächte mit Bushcampen in der Wildnis. Eigentlich wollte ich ja wieder draußen pennen, allerdings war die rote Erde hier recht hart und staubig, andererseits wäre ich wohl von Ameisen und Fliegen gefressen worden, die sich hier als eine der schlimmsten Plagen herausstellte. Am ersten Abend stiegen wir noch in eine der nahe gelegenen Schluchten hinab, um im dortigen Naturpool ein erfrischendes Bad zu nehmen. Zwar konnte man aufgrund der Dämmerung nicht mehr viel von der Landschaft sehen, aber dafür hatten wir ja den nächsten Tag.
Heute (7.4.) stiegen wir morgens nach einem kleinen walk entlang des Kliffs an anderer Stelle wieder in dieselbe Schlucht hinab, die sich im Tageslicht ganz in ihrer Größe und Schönheit präsentierte. Diesmal gingen wir in die andere Richtung, an deren Ende der Circular Pool auf uns wartete, dessen Wasserfall zu einer morgendlichen Dusche einlud. Auf dem Weg zurück machten wir an einer Felswand halt wo man Aboriginee-Wandmalereien bewundern konnte, deren Alter etwa bei 40 000 (!) Jahren liegt. Danach marschierten wir wieder zum Pool des Vorabends, vor dem die Fortesque Falls mal wieder zum Planschen einluden. Es war schon eine traumhafte Landschaft, deren Bild von riesigen Felsblöcken aller Farben, weißen Gum trees und einem azurblauen Himmel im Hintergrund geprägt wurde (zumindest war der Himmel vormittags blau). Es folgte ein Besuch des dortigen Visitor centres, nach dem es draußen recht wolkig und regnerisch geworden war. Ein paar weitere Lookouts wurden angesteuert, allerdings hielt sich aufgrund inzwischen strömenden Regen und durchgeweichter Kleidung die Begeisterung doch sehr in Grenzen. Spencer hätte uns gerne diese Schluchten näher gezeigt, allerdings war herumklettern aufgrund der nassen Felsen zu gefährlich geworden. Als sich der Regen dann doch verzog, unternahmen wir doch noch einen Walk durch eine kleinere, jedoch nicht minder schönen Schlucht. Sorry aber wir wurden mit so vielen Schluchtennamen gleichzeitig bombardiert dass ich mir keinen auswendig merken konnte. Obwohl wir nun ein ganzes Stück weg von der Küste waren, war dies einer der wohl eindrucksvollsten Landschaften in Australien, nicht zuletzt weil es nicht so touristenüberrant ist.
Nach einer weiteren Nacht im Bushcamp brachen wir tags darauf mal wieder recht früh auf und erreichten gegen Mittag Port Hedland, den größten Kohlehafen Australiens. Hier konnte man neben dem Lunch auch noch etwas einkaufen gehen, ehe es weiter Richtung 80 Mile-Beach ging. Nach etwa 200 km erreichten wir auf einem Campingplatz unser Nachtlager ganz in der Nähe des Strandes. Hier trafen wir auch auf Kollegen einer anderen Reisetruppe, denen wir während der letzten Tage immer wieder mal über den Weg liefen. So lernte ich die beiden Amerikaner Beck und John kennen, mit welchen ich und viele andere einen traumhaften Sonnenuntergang über dem Meer bestaunen konnte. Nach Dinner und ein paar Bier wurde der Rest des Abends am Strand mit schottischem Tanzunterricht und Skywatching verbracht, sofern die Wolken es zuließen. Die halbe Nacht pennte ich im Freien, als ein plötzlicher Regenschauer mich zur Flucht ins Zelt zwang.
Samstag. 9. April: Der letzte Tag unserer Tour war angebrochen und gegen 11 Uhr erreichten wir endlich Broome, die Hauptstadt des Nordwestens (15000 Einwohner). Nach einem Bummel über den Markt und einer kleinen Stadtrundfahrt bezogen wir im Cable Beach Backpackers Quartier, das nur ein paar Minuten vom berühmten Cable Beach entfernt war. Es gibt noch einiges über Broome zu berichten, aber meine Tour endete hier und ich sprenge gerade den Rahmen von 4 Seiten Bericht, daher mache ich für heute Schluss und hebe mir den Rest für den nächsten Bericht auf, in dem ich auch endlich mal wieder was arbeite (Wird auch Zeit immerhin sin mer net zum spass hier! ;o)
The Show must go on!MfG Skippy
Bericht als PDF-Datei [31 KB]
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